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ARBEIT AN BORD

Vorgestern, gestern und heute waren drei Arbeitstage, ja das muss leider auch sein.
Bei der Überfahrt von Sao Nicolau nach San Vincente hattte unser Motor wieder die Tendenz heißer zu werden, zwar ganz langsam aber doch nicht ganz normal. Florian krabbelt wieder in den Motorraum und ich beginne draußen das Deck von der Salzkruste und der Möwenscheiße wieder zu befreien. Nach einiger Zeit öffne ich unser Schiebeluk, und was kommt mir entgegen, ein absolut grantiger und käppelnder Kapitän. Und da sagt man Frauen käppeln, das stimmt nicht, der Beweis ist erbracht. Natürlich hat er den blöderen Job ausgefasst, aber ich kann ja auch nichts dafür das Florian noch immer nicht besser in unseren Motorraum passt. Also nach einer kurzen, von mir auferlegten Beruhigungphase, einigen wir uns das Problem gemeinsam zu lösen. Der Impeller ist eingerissen, wir haben natürlich noch Ersatzteile an Bord, ich bekam die Aufgabe aus einem Bogen Dichtungspapier eine neue Dichtung anzufertigen. Kein Problem, mit Zirkel, Lineal und Nagelschere schaffe ich ein absolut brauchbares Teilchen. Florian steckt die Teile und den Deckel dann wieder auf die Pumpe, und jetzt übernehme ich die Zusammenschraubarbeit.

Hinein in den Motorraum, nicht angenehm bei meiner Klaustrophobie, und dann müssen 6 Schrauben in ihr altes Schraubloch geschraubt werden. Klingt ja nicht schwierig, das Blöde daran ist nur, dass man nicht hinsieht und das ganze Unterfangen blind zu erledigen ist. Erschwerend dabei ist, dass die eingefetteten Schraube nicht hinunter fallen sollen, weil man sie meistens nicht mehr findet oder sie nicht mehr erwischt. Nach einer halben Stunde bin ich erlöst, und die Schrauben sind drin. Selbstverständlich ist mir eine aus der Hand gerutscht, und bis Florian eine passende gefunden hat, habe ich das kleine Biest auch wieder gefunden. Mein Käpten war begeistert!!




Unsere Genua Schoten sind schon teilweise abgescheuert und wir entschließen uns sie zu erneuern.
Selbstverständlich haben wir jede Menge verschiedenster Leinen mit, aber um an die Leinen zu kommen, muss ein Mal das ganze Bett abgebaut werden, denn die Rollen sind ganz unten im Bug. So wird der Rest vom Schiff sofort unbegehbar.

Ich mache mich in der Zeit an die Arbeit eine neue Leine für die Ankerklaue mit zwei Spitzkauschen an den Enden zu versehen, die Alte hat in Tarrafal den Geist aufgegeben. Kauschen dienen zur Verstärkung zb. einer Leine um das Durchscheuern zu verhindern.
Zum drüberstreuen hatte ich ja dann auch noch Gäste mit selbstgemachten Eiernockerln zu bekochen, 2 Kesseln Wäsche zu waschen und Betten zu überziehen.
Nein, nein ihr braucht kein Mitleid mit uns zu haben, aber vielleicht lest ihr ja auch ganz gerne das wir es nicht nur lustig haben !!
Gestern haben wir uns dann zum ersten Mal seit unserer Abfahrt mit einem Frühstück verwöhnen lassen. Florian hat beim Laufen eine tolle französisch angehauchte Bäckerei gefunden, und ich kann euch sagen es war köstlich.


Was für uns zu Hause so selbstverständlich geworden ist, ist hier ein absolutes High light. Das werden wir sicher noch einige Male wiederholen. Danach gings zum Fischmarkt, denn heute muß es frischer Thunfisch sein. Zu Mittag Thunfisch Sashimi und am Abend Thunfischsteak, ein herrlicher kulinarischer Genußtag.

Dann wieder rein ins Arbeitsoutfit, Florian möchte die Ankerkette in den Rumpf verlegen. Seglerfreunde haben uns den Tip gegeben, dass das Schiff dann auf Vorwindkurs weniger hin und her schaukelt, und nachdem wir bei der Fahrt in die Karibik die nächsten ca 16 Tage auf Vorwindkurs unterwegs sind, wollen wir das ausprobieren.






Meine Hauptbeschäftigung war heute wieder alle Nirostateile mit Vaseline einzufetten, das habe ich zuletzt auf den Kanaren gemacht, und ich habe das Gefühl wir haben viel weniger Flugrost als davor. Seit Gibraltar musste ich nicht mehr mit Oxalsäure schrubben, und es schaut noch immer gut aus. Der massive Heckkorb mit dem Ruder waren wieder ein Ersatzfitnessprogramm für mich.



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