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KAP YORK

29.5.2018

Martina

Gestern haben wir unser erstes großes Salzwasserkrokodil gesichtet. Es ist einige Stunden regungslos auf einer Sandbank gelegen. Angeblich sind sie sehr faul und warten bis das Wasser wieder gestiegen ist, um wieder weiter zu schwimmen.


Die Wettervorhersage hat sich seit Tagen nicht geändert. Heute Dienstag ist der perfekte Tag, um den nördlichsten Punkt des Australischen Kontinents zu passieren. Wir sind bereit!

Der Wecker ist für  6 Uhr in der Früh gestellt, doch ich bin schon um 5:15 Uhr wach. Ich mache Tee und Kaffee und so wird Florian auch schön langsam aus den Träumen geholt. Nachdem die Einfahrt in den Fluss gestern holprig war, bin ich schon etwas angespannt wie die Ausfahrt wird. Laut Segelführer muss man bei beginnender Flut den Escape River verlassen um eine gute Passage aus dem Fluss zu haben.

Florian hat sich punkto bester Zeit zum Auslaufen von Florri, Australier vom Katamaran TIGRESS,  beeinflussen lassen. Laut ihm ist um 6:30 Uhr Niedrigwasser, weswegen wir eben auch um 6:30 Uhr an der Ausfahrt sein wollen. Leider ist die Information falsch und wir sind eine gute Stunde zu spät bei der Ausfahrt des breiten Escape Rivers. Die Welle ist zwar viel besser als gestern bei der Einfahrt, aber wir haben eine beachtliche Gegenströmung. Der Wind bläst uns noch dazu mit 18 Knoten genau auf die Nase und die Wellen haben wir natürlich auch genau von vorne.
Die Wassertiefe zeigt auf der Karte teilweise nur 2 Meter, und so wollen wir natürlich unserer Spur von der Einfahrt auch genau bei der Ausfahrt nehmen. Es bleibt kein Spielraum, um nach rechts oder links zu steuern und mit Segelunterstützung besser aus dem Fluss zu kommen.
Wir sind in den Krallen der Gegenströmung gefangen und es gibt nur 2 Möglichkeiten, entweder umdrehen oder weiter kämpfen. Florian verfolgt aufmerksam unsere Einfahrstsspur und ich beobachte den Tiefenmesser und den Plotter.

Unsere Nerven werden einer harten Prüfung unterzogen, denn die Esperanza wird immer immer langsamer, je näher wir der Flussausfahrt kommen. Wir fahren nur noch 0,5 Knoten und die Strömung wird immer stärker. Florian gibt mehr Gas und wir werden wieder etwas schneller. Etwas erleichtert sehen wir wieder einen Einser vor der Kommastelle unserer Geschwindigkeit. Die Freude dauert nur kurz, denn jetzt sehe ich 0,2 Knoten am Plotter aber die fahren wir in die falsche Richtung. Das bedeutet die Strömung ist stärker als unser Motor. Ich fange bereits am ganzen Körper zu zucken an, und erstmals in meinem Leben vibriert meine Oberlippe und ich kann sie nicht kontrollieren vor lauter Anspannung. Meine Augen hängen wir gebannt am Plotter und ich bete zu Gott, dass er uns da raus bringt, denn morgen soll es ums Kap wieder richtig pfeifen. Wir müssen da jetzt raus! Florian ist auch schon ganz verzweifelt und gibt jetzt Vollgas, unsere letzte Chance. Wir haben zwar nur noch eine halbe Seemeile über die seichteste Stelle, bis wir abdrehen und Segel setzen können, aber die werden zu einer Nervenzerreissprobe.
Meter für Meter kämpfen und springen wir über die kurze Welle. Florian ärgert sich, dass er sich von Florrie punkto beste Ausfahrtszeit beeinflussen ließ, aber das hilft im Moment auch nicht weiter. Solange wir mehr nach vor als zurück fahren kämpfen wir weiter. Schön langsam erreichen wir unter Vollgas eine Geschwindigkeit über einen Knoten und dann zwei Knoten. Jetzt noch die letzte seichte Stelle passieren und dann nichts wir weg hier.
Nach einer Stunde, statt 10 Minuten, haben wir wieder 5 Meter Wasser auf dem Tiefenmesser und wir können unseren Kurs Richtung Cape York anlegen und Segel setzten. Da wir ja genug Wind haben segeln wir rasch mit 6 Knoten Richtung Albany Passage. Wir haben es geschafft, aber das kostet mich weitere 10 Kerzen in der Kirche, wenn wir in Darwin angekommen sind. Ich bin fertig!!



Jetzt heißt es den Wind gut zu nützen, weil wir bei Flut auch noch ums Kap herum müssen, denn sonst haben wir die Strömung am Kap gegen uns, und davon haben wir heute wirklich genug.

Dann sind wir bei der Albany Passage. Kurz nach der Einfahrt hört die Welle auf, und der Strom setzt ein. Zuerst fahren wir 6 Knoten und dann werden wir immer schneller. Wir haben nur noch wenig Druck im Segel weil wir durch die Strömung so stark geschoben werden. Florian ist begeistert, denn wir erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 10,1 Knoten. Es ist herrlich, das hätten wir gerne länger.
Wir gleiten wie auf Schienen am Kap York vorbei und dann biegen wir nach Westen in die Torres Straße ab.


Wir sollten noch über 2 Stunden die Strömung mit uns haben und das sollte bis zur Ankunft in Seisia reichen. Mit super Strömung und hart am Wind segeln wir mit bis zu 10,4 Knoten bis zur seichten aber gut betonnten Einfahrt von Seisia. Erstaunlicherweise sind wir die ganze Zeit mit der Flut gesegelt, aber in der Tidentabelle von Seisia gibt es heute tagsüber gar keine Flut. Die Strömungen in der Torres Straße sind schon höchst verwunderlich. So fahren wir bei Niedrigwasser in den Einfahrtskanal und der Tiefenmesser zeigt uns Tiefen von 2,9 Meter an. Das stimmt mit der Seekarte und dem Plotter überein und so sind wir halbwegs entspannt. Unser Anker fällt auf 5 Meter Wassertiefe und jetzt ist endlich Zeit uns in die Arme zu fallen. Was für ein Tag!!!



Unerwarteter Weise gibt es hier einen ganz gut bestückten Supermarkt. So kann ich frisches Obst und Gemüse für unsere letzten Tage bis nach Darwin einkaufen. Wir hatten nur noch 4 Karotten, ein halbes Kraut und eine Christophine. Jetzt steht einer gesunden Weiterfahrt nur noch der kommende stärkere Wind im Weg. Wir sind wieder gezwungen zu warten.



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