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ZIVILISATION

05.09.2017

Florian

Wir gehen um 06:00 Uhr Anker auf und verlassen mit gutem Vorsprung auf unsere Freunde von der TIME BANDIT und der RANDIVAG die Insel Ambae mit ihren doch sehr ursprünglichen Bewohnern. Faszinierend fand ich hier das Gespräch mit Chief Jimmy im entlegenen Dorf an der Nordküste über das Chief-System. Quasi ein föderalistisches Staatssystem, wobei die Stimme der 16 Inseln durch die gewählten Insel-Chiefs abgegeben wird. Wobei das nationale Parlament nicht an deren Beschlüsse gebunden ist. Das Parlament dürfte auch sonst eher unabhängig agieren. Im Jahr 2015 wurden jedenfalls 15 von 52 Parlamentsabgeordnete wegen Bestechung verurteilt - ein Beweis dafür, dass das Gerichtssystem offenbar funktioniert. Wenn sich also jemand über unsere europäischen Parlamente beschweren sollte - viel Spaß in Vanuatu.

Interessant ist auch, dass es bis auf Efate und einem Teil von Espiritu Santo keine Frauen als Chiefs gibt. Allerdings herrscht in Efate das Matrimonial-System - nur Frauen sind Chiefs - und gerade diese Insel beherbergt die Hauptstadt Port Vila und ist wirtschaftlich am stärksten.

Warum es auf den anderen Inseln keine Frauen als Chiefs gibt ist jedenfalls für Ambae klar. Laut Chief Jimmy gibt es zwei Götter auf Ambae. Und der höhere der beiden meint, dass nur Männer Chiefs werden dürfen. Wer nun verwundert an rückständige Südseeinsulaner denkt, darf die Monarchien Europas studieren und schauen, seit wann es bei uns Frauen auf dem Thron gibt (abgesehen vom Frauenwahlrecht - aber das sind ja nur Details...). Es ist jedenfalls spannend die Ähnlichkeiten der politischen Systemen im Gespräch mit Chief Jimmy zu entdecken.

Aber wir segeln ja mittlerweile entlang der Nordküste nach Luganville auf der Insel Espiritu Santo. Im Windschatten des hohen Volkans auf Ambae ist der Wind naturgemäß weg. Wir motoren, als ein großer Fisch beißt. Ich stoppe diesmal die Maschine, um den Fisch einzuholen, doch leider haut er Martina im letzten Moment dann doch wieder ab - Schade!! Als wir Ambae dann im Kielwasser lassen, wird der Wind wieder aufgedreht und wir segeln unter Vollzeug mit 6-7 Knoten nach Westen. Obwohl sich unsere ESPERANZA hervorragend schlägt, kommen unsere Freunde mit ihren größeren Schiffen bald an uns vorbei.

Um 17:00 Uhr haben wir die 51 Seemeilen dann doch geschafft und wir ankern im Schutz der vorgelagerten Inseln vor Luganville, der zweitgrößten Stadt von Vanuatu - zurück also in der Zivilisation - wir haben wieder Internet! Morgen gehen wir diese erkunden....



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