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WIEDERSEHEN NACH 20 JAHREN

6.3./8.3.2018

Martina

Wir erreichen Coffs Harbour um 10 Uhr Vormittags und fahren direkt zur Werkstätte, die uns von Apollo vorgegeben wurde. Unser Kühlschrank springt unter Gasbetrieb leider nicht mehr an. Nach einer kurzen Inspektion ist klar, dass diese Werkstätte das Problem nicht lösen kann. Jetzt ist Florian wieder am Zug und beharrt auf eine rasche und Zufriedenstellende Lösung. Ein weiterer Werkstättenbesuch oder der Kauf einer Kühlbox, die wir täglich mit Eiswürfeln frisch befüllen sollen, schmettert Florian mit ein paar wenigen Argumenten ab.
Nach 2 Stunden verspricht man uns einen Austauschcamper. Der wird von Brisban geliefert und soll gegen 19 Uhr in Coffs Harbour eintreffen.
Um 20:30 Uhr ist das Auto dann auch wirklich da, und siehe da es ist ein viel jüngeres Baujahr, gepflegter und moderner. Bei strömendem Regen räumen wir unsere Sachen von einem Camper in den anderen und versuchen mögliche Mängel mit der Taschenlampe zu entdecken. Bis auf Kleinigkeiten wie einem fehlenden Innenrückspiegel, gebrochenem Kübel und abgeschlagenen Ecken und Kanten schaut alles gut aus. Wir dokumentieren alles und  schicken die Mängelliste per Mail an Apollo. Sicher ist sicher, denn man hört ja so einiges von Autovermietungsfirmen bei der Rückgabe eines Fahrzeuges.



Schon vor einem Jahr, als die Entscheidung gefallen ist, dass wir nach Australienen segeln werden,  habe ich Kontakt mit meiner ehemaligen Ballettkollegin Suzanne aus Brisbane aufgenommen. Sie ist 1989 von Australien nach Wien gekommen und hat 9 Jahre an der Volksoper getanzt. Danach hat sie ein 4 jähriges Engagement an der Staatsoper bekommen und im Anschluss an ihre Ballettkarriere machte sie eine Ausbildung für Pilates und Gyrotonic. Sie ist nach Australien zurück gegangen und lebt jetzt in Coffs Harbour.

Jetzt war es endlich so weit, ein herzliches Wiedersehen nach über 20 Jahren. Suzanne spricht noch immer ein unglaublich gutes Deutsch und ich muss über ihre wienerischen Ausdrücke lachen. Es gibt so viel über unsere gemeinsame Ballettzeit zu tratschen und es fließen so manche Tränen bei Suzanne, denn sie vermisst Wien mit unserer Kultur und unseren Traditionen. Sie wünscht sich von mir Käsespäzle, und ich erfülle ihr den Wunsch natürlich sehr gerne und so verbringen wir einen schönen und teilweise auch melancholischen ersten Abend bei ihr im Haus.

Während Suzanne arbeitet, erkunden wir Coffs Harbour. Sie haben einen massiven Anleger, denn Coffs Habour war ein großer Hafen für Holzverschiffung. Die beiden vorgelagerten Inseln Muttonbird und Corambirrer Point wurden durch massive Dämme mit dem Festland verbunden und ein langer Wellenbrecher ist gegen Osten errichtet.



Nachdem Sydney ihre Hafenanlagen errichteten, ging der Holztransport von Coffs Harbour stark zurück, bis er schlussendlich eingestellt wurde.
Jetzt liegt eine kleine Marina in der geschützten Bucht und die Bewohner von Coffs Harbour erfreuen sich an einem ruhigen Strandabschnitt.





Denn wenn man nördlich und südlich dieses Hafens schaut, dann sieht man mit welcher Wucht die Wellen die Ostküste Australiens treffen.



Am zweiten Tag schau ich mir ihr Studio - Suzannes Hara Studio - an.





Ich besuche natürlich auch eine Trainingsstunde von ihr - es ist eine Kombination aus Ballettstunde, Pilates und Gyrotonic Bewegungen. Gemeinsam an einer Ballettstange zu stehen erweckt weitere Erinnerungen an unsere Volksopernzeit und wieder fließen Tränen der Wehmut bei Suzanne. Sie sagt selbst, dass sie das Tanzen vermisst. Ist für mich nachzuvollziehen, denn sie hat mit 30 die Bühne verlassen, ein Alter in dem man am Zenit einer Ballettkarriere ist, und sie war eine sehr gute Tänzerin.


Wir werden noch einen Tag hier bleiben, denn bis jetzt hatten wir noch gar keine Zeit, um all die Fragen über unser Abenteuer zu beantworten.


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