Direkt zum Hauptbereich

HINCHINBROOK CHANNEL

06./07.05.2018

Florian

Bei Tagesanbruch gehen wir Anker auf, damit wir bei 2 m Hochwasser über die Sandbank bei der Einfahrt nach Lucinda in den Hinchinbrook Channel kommen. In der Karte sind 1,6 m (bei niedrigstem Niedrigwasser) verzeichnet. Mit den 2 m Hochwasser sollten wir eine Wassertiefe von 3,6 m haben. Unser Tiefenmesser ist etwa 50 cm unter der Wasseroberfläche montiert, sodass wir auf der Tiefenmesseranzeige nie weniger als 3,1 m lesen sollten.

So weit die Theorie! Die Zuckerverladestelle mit dem über 5 km langen Steg samt Förderband - angeblich der längste der Welt - grüßt als Einfahrtskennung.


Welle ist auch ganz gut und so wackeln wir auf der durch Richtmarkierungen definierten Linie der Sandbank entgegen.

Die beiden Markierungen übereinander genau in Deckung
Es wird flach und flacher. Als wir plötzlich nur noch 2,2 m am Tiefenmesser lesen, werden wir sehr nervös - wir wollen nicht schon wieder auf Grund laufen! Zum Glück wird es nicht noch seichter und nach einigen Minuten sind wir über die flachste Stelle drüber. Wir hatten nur noch 90 cm Wasser unter dem Kiel. Ab nun heißt es rote und grüne Seezeichen suchen (und finden), denn der Kanal hat viele Untiefen und Sandbänke.



Und zum drüberstreuen sind die Markierungen seitenverkehrt, denn Lucinda (wo wir einfahren)  gilt als Zielhafen, also rot rechts (Steuerbord) und grün links (Backbord)  liegen lassen.

Wo ist die grüne Boje

So tasten wir uns in den Hinchinbrook Channel - laut Segelführer die schönste geschützte Meereskanal der australischen Ostküste. Wir fühlen uns wie auf einem Fluss. Es ist Sonntag und viele Einheimische sind mit ihren kleinen Booten unterwegs. Wir sind die einzigen Segler. Bei Haycock Island lassen wir den Anker fallen. Wir genießen einen entspannten Nachmittag und eine ruhige Nacht.


Heute Morgen ist Ententeich - wir gleiten durch spiegelglattes Wasser und die Berge rund um uns sind mystisch.


Bei leichtem Wind segeln wir gemütlich und nach 26 Seemeilen haben wir den Kanal hinter uns und ankern vor Cardwell.


Unser Freund David von der SAHULA hat uns dringend ans Herz gelegt seinen Freund Ken "The Cassowary Man" zu besuchen. Auf seinem Grund leben angeblich Kasuare - sehr seltene und sehr scheue australische Laufvögel.

Wir treffen Ken am Ufer von Cardwell und fahren mit ihm zu seinem Haus im Dschungel. Gleich als er aus dem Auto aussteigt, kommt ihm ein junger etwa 4 Monate alter Kasuar entgegen und weicht nicht mehr von seiner Seite. Das für die Aufzucht verantwortliche Vatertier hat ihn hier zurückgelassen und Ken kümmert sich um ihn. Er geht bei Ken ein und aus.



Kurze Zeit später taucht die ältere Schwester von Klein-Kausar auf.


Sie hat schon ein farbiges Federnkleid und auch sie ist bei Ken aufgewachsen.


Die einheimischen Aboriginals nennen Ken den Cassowary Man. Sie haben noch nie einen Menschen gesehen, der so vertraut mit Kausaren umgeht. Kasuare sind höchst scheu und können mit ihren Krallen lebensgefährliche Angriffe setzen. Die Weibchen geben den Ton an und sind auch größer als die Männchen.

Kurze Zeit später kommt die Herrscherin des Waldes aus dem Unterholz und schaut zur Türe herein.

Duchess

Ken nennt sie "Duchess - Herzogin". Er kennt sie seit er hier lebt - also zwanzig Jahre. Kasuare werden bis zu siebzig Jahre alt. Duchess ist ein mächtiges Weibchen. Nur Ken lässt sie in ihre Nähe. Jeder andere muss sich kleiner machen als sie ist, sonst greift sie an und verteidigt ihr Revier.



Es ist ein unwirkliches Erlebnis diese prächtigen Tieren aus nächster Nähe zu beobachten - sicherlich ein Highlight unseres Australienaufenthalts.

Beliebte Posts aus diesem Blog

GUTE GEFÄHRTIN

Martina Nachdem die Esperanza ihre dritte Weltumsegelung geschafft hat, möchte ich euch meinen Rückblick auf diese wunderschöne Zeit nicht vorenthalten. Wir sind als Ehepaar und perfektes Team losgesegelt. Jeder hatte seine Aufgaben und wir haben uns wunderbar ergänzt. Das Vertrauen sich auf den Anderen verlassen zu können war immer da. Ich habe trotz meiner Seekrankheit meine Aufgaben an Bord immer wahrgenommen, war immer mit Rat und Tat zur Stelle und habe zu vielen Verbesserungen und auch Vermeidungen von größeren Problemen beigetragen. Somit habe ich einen großen Anteil an dieser gelungenen Weltumsegelung von Florian beigetragen. In über 5 Jahren habe ich auf der Esperanza 25.215 Seemeilen zurückgelegt, das spricht für sich. Die letzten von Florian alleine gesegelten 7.842 Seemeilen haben ihm, wie er selbst schreibt, viel Angst und Anstrengung gekostet, und das obwohl er die langen Strecken mit sogar 2 Helfern an Bord zurückgelegt hat.   An dieser Äußerung ist deutlich zu erken...

BALI TÄNZE

22.9./23.9.2018 Martina Mit einem kleinen Mietauto mache ich mich alleine auf den Weg durch Bali. Mein Navi führt mich über enge, steile Straßen Richtung Süden. So steil, dass man hier abwartet, bis das Auto vor einem den Stieg geschafft hat, erst dann fährt man selbst auch hinauf. Man hupt vor den engen steilen Kurven, damit man einen möglichen Entgegenkommenden warnt. Das alles bei Linksverkehr und hunderten Mopeds, die wie lästige Gelsen von überall nach überall fahren und mir teilweise dreispurig entgegen kommen. Nach anstrengenden 2 Stunden Fahrt erreiche ich mein erstes Ziel. Die "Jatiluwih Rice Fields" sind ein UNESCO Kulturerbe. Diese liegen etwas abgelegen von den gängigen Reiserouten und somit ist es nicht ganz so touristisch. Außerdem sind die Straßen so eng, dass es kein Autobus hierher schaffen würde. Ich bin überwältigt und genieße diese beruhigende Harmonie der Reisfelder. Am Strassenrand blühen die Weihnachtssterne und ich bekomme Heimweh. Voll bepackte LKWs u...

ÜBERFAHRT NACH KOLUMBIEN

Martina 25.4.2015 Wir haben Kuba also wie geplant am 25.4. in der Früh verlassen. Vor uns liegen ca.580 sm und wir rechnen mit 5 Tagen und 4 Nächten. Zwischen Kuba, Haiti und Jamaika gibt es bekanntlicherweise entweder viel Wind oder nur umlaufende Schwachwinde. Unser Hauptaugenmerk lag aber auf die zu erwartenden Windverhältnisse vor dem Kap Aguja in Kolumbien. Denn am Festland ragt ein 5395 m hoher Berg in den Himmel. Dadurch entstehen hier laufend extrem starke Winde. Unter Seglern als eine sehr schwierige Strecke bekannt, Wind und Welle machen einem das Leben schwer. Es wird empfohlen den Bereich gut zu beobachten und mit einem Abstand von 100 sm zu umfahren. Schon mein Vater hat von einer seiner schwierigsten Überfahrten von den ABC Inseln (Curacao) nach Panama berichtet. In den Papierseekarten finden wir seine Wegpunkte mit einem Abstand von nur 50 sm. In unserer ersten Nacht auf der Höhe von Jamaika, kommt schön langsam Wind auf. 26.4.2015 Gleich nach der südöstlich von Jamaika ...